Editorial im Infoblatt des Departements Bildung und Kultur

Wenn die Schnüerlischrift aus dem Glarner Schulstoff verschwindet, sorgt das verständlicherweise für Wehmut. Generationen haben die voll verbundene Schulschrift gelernt. Vor allem aus praktischen Gründen: Die Schreibfeder und später der «Fülli» sollten für den optimalen Tintenfluss möglichst wenig abgesetzt werden. Und – noch viel wichtiger – via Steinschrift und Schnüerlischrift sollte das Entwickeln einer persönlichen, gepflegten Handschrift ermöglicht werden. Dass Letzteres auch ohne Umweg funktioniert, zeigen die positiven Erfahrungen mit der Basisschrift. Dank dieser Abkürzung lässt sich Energie dorthin umleiten, wo sie allenfalls mangelt. Dass das ohne Abstriche geschehen muss, versteht sich von selbst. Auch in einer digitalisierten Welt ist die motorische Fähigkeit einer eigenen Handschrift nach wie vor wichtig. Nichtsdestotrotz: Wehmut ist berechtigt, mehr nicht.

Ungleich bedeutender als die Einführung einer neuen Schulschrift ist jene eines neuen Lehrplans. Der neue «Glarner Lehrplan» – so ist die spezifisch auf unseren Kanton angepasste Version des Lehrplans 21 betitelt – ist zwar keine Revolution für die hiesige Bildungslandschaft, aber doch ein grosser Schritt. Auch hier werden wir uns von Bewährtem lösen und den Fokus neu einstellen müssen. Dieser Prozess kann anstrengend sein, mit einer positiven Grundhaltung aber durchaus auch anregend. In diesem Sinne wünsche ich allen Beteiligten viel Ausdauer und Begeisterung.