Kolumne in der «Südostschweiz», Ausgabe Glarus

Seit gestern ist im Kantonshauptort das Stadtopenair im Gang. Es punktet wieder mit einem Programm, bei dem für alle etwas dabei ist. Und natürlich mit dem städtischen Ambiente, das dem Festival seinen einzigartigen Charme verleiht. Es ist nicht selbstverständlich, dass ein solcher Grossanlass heute überhaupt durchführbar ist. Unzählige Protagonisten machen ihn aber möglich – von motivierten Freiwilligen, einem professionellen Management und grosszügigen Sponsoren bis hin zu verständnisvollen Anwohnern. Zusammen mit den Künstlern schaffen sie einen fixen Platz für eine Perle im Glarner Kulturangebot. Jedenfalls ist das «Sound of Glarus» aus unserem Kultursommer nicht mehr wegzudenken.

Dass sich auch die öffentliche Hand unter dem Titel Kulturförderung für solche Anlässe einsetzt, hat einen guten Grund: Kultur trägt entscheidend dazu bei, dass aus einer Bevölkerung eine Gesellschaft wird. Letztlich ist es das kulturelle Schaffen, das den Grundstein legt fürs Menschsein und für den Fortschritt. Gerade deshalb sollen möglichst alle Menschen Zugang zu Kunst und Kultur finden. Und gerade deshalb darf Kunst- und Kulturförderung auch als staatliche Aufgabe verstanden werden.

Es gibt aber noch einen anderen Aspekt: Kulturförderung ist auch Wirtschafts- und Standortförderung. Schon Einstein soll gesagt haben, wer nicht gegen den Verstand verstosse, könne zu überhaupt nichts kommen. Oder anders formuliert: In den Denkansätzen erfolgreicher Querdenker aus den unterschiedlichsten wissenschaftlichen Disziplinen spielt künstlerisches Denken eine erhebliche Rolle – es ermöglicht Innovation. Innovation entsteht zwangsläufig dort, wo sich clevere Köpfe tummeln. Die cleversten Köpfe wiederum lassen sich an den „coolsten“ Orten nieder. Und die coolsten Orte sind jene, die gut erschlossen sind, die attraktives Wohnen ermöglichen, und die angesagte Ausgehmöglichkeiten bieten. Vor allem mit einem lebendigen Kulturschaffen. Zum Beispiel mit Anlässen wie «Sound of Glarus». Diese Gedanken sollten wir einbetten, wenn wir über Kulturpolitik sprechen!